Ein echt fetter Tag!

fastert am 24. August 2009 um 13:58

Es gibt so Tage, an denen mal lieber wieder in den Mutterleib zurückkriechen und am Besten auch nie wieder rauskommen möchte. Von diesen Tagen gab es schon einige, in regelmäßigen Abständen. Es ist, als würde jemand das extra so steuern – heute hat der Fastert mal einen Dreckstag. Einfach so. Ohne Grund. Dabei sind die Absichten und Pläne an solchen Tagen meist rein und harmlos. Unschuldig und völlig in Ordnung.
Man möchte zum Beispiel die Fritteuse reinigen. Ein engelsgleiches Vorhaben, löblich und frei von jeglicher Negativität. Zwischenfrage: nachdem es seit einiger Zeit “Friseurin” statt “Friseuse” heißt, heißt es nun auch “Fritteurin” und nicht mehr “Fritteuse”? Wäre ja nur konsequent. Egal. Damit es keinen Zoff gibt, fange ich noch mal an.
Man möchte zum Beispiel die Fritteurin reinigen. Da ist schließlich noch das Fett vom letzten Geburtstag drin. An den will man sich nicht erinnern, aber was noch viel wichtiger ist: man KANN sich nicht mehr daran erinnern. Es ist also schon ein paar Monate her und das wahrscheinlich mittlerweise radioaktive, pampelige Zeug muss da raus. Dringend. Nun ist es so, dass ich mit diesem Vorgang durchaus vertraut bin. Wir haben jedes Jahr dieses Gerät mit im Urlaub und erhitzen unter Dauerfeuer Chicken Nuggets und Pommes darin. Am Ende erinnert der Inhalt an eine Satelittenaufnahme der Wüste Gobi, mit kleinen Panade-Oasen. Naja, jedenfalls braucht man für den reibungslosen Reinigungsverlauf einen Behälter, welchen man mit lauwarmen Fett füllen und dann zum abkühlen nach draussen stellen kann. Prima eigenet sich hierfür einer von ca. 3 vorhandenen, geleerten Haribo-Gummizeugs-Tupper-Eimern. Man läßt das erhitze Fett abkühlen und kurz bevor es zurück in den musigen Ausgangszustand schwappt, kippt man den ganzen Schnodder in eben genannten Eimer. Aushärten lassen, wegschmeissen, fertig. Soweit die Theorie.
An einem Sonntag will ich diese kampferprobte Vorgehensweise erneut in die Tat umsetzen. Meine Frau sagt noch “Schmeiß’ das olle 70′er Jahre-Biest doch lieber komplett weg und wir kaufen ein neues Gerät!” Ich hauche ein freundliches “Raus hier, ich mach’ das schon!” und schalte die Rarität ein. Alles läuft soweit nach Plan, nach kurzer Zeit ist von drinnen das nötige Gestöhne und Geblubber zu hören. Prüfender Blick hinein – Magen dreht sich um ob der Fallout-Wolke die aus dem Brutzel-Tornister steigt – das Fett ist am kochen. Nun das Gerät ausschalten und erstmal einen trinken. “Nach ca. 15 Minuten ist die Masse soweit, um ins transparente neue Zuhause umzuziehen”, höre ich mich noch denken. Als ich den Inhalt der Fritteurin dampfend ins Haribo-Heim kippe und dieses wie ein Ballonseiden-Anzug am Osterfeuer nachgibt, stehe ich mit heißem Fett besudelt in der Küche und schreie laut auf – vor Schmerz und Ärger über die eigene Dummheit. Ich kann nicht mehr sagen, was mehr weh getan hat. Ich renne ins Badezimmer, stürze zur Badewanne, beuge mich über eben diese und drehe am Wasserregler. Dabei übersehe ich, dass noch der “Duschmodus”, oder wie auch immer man das nennt, aktiv ist. Und als ich den Hahn aufdrehe kommt nicht wie vermutet ein kühlender Strahl aus dem Hahn auf meinen Arm sondern eine eiskalte Fontäne von oben über meinen kompletten Oberkörper. Wie ich aussehe. Halb mit Fett und halb mit Wasser bekleckert gehe ich zurück in die Küche. Alles voll – die Arbeitsplatte, der Fussboden, die Ritzen der Schränke und Schubladen. Alles schön großzügig eingeschmiert, wie bei der Bodybuilder-Weltmeisterschaft. Nur noch ein bißchen mehr. Und mittendrin steht der klägliche, geschmolzene Rest des Haribo-Containers und lacht über mich. Das Auffeudeln, wienern und putzen war im übrigens dennoch nicht das schlimmste an diesem Tag. Es war der Blick meiner Frau, als ich mit der Fritteurin unter’m Arm in Richtung Mülleimer marschierte…

2 Anmerkungen noch an dieser Stelle: wenn mir jemand sagen könnte, wie der “Duschmodus” und eben dann der andere Zustand heißt, wäre ich dankbar und froh. Und wie ist es nun mit der Fritteuse? Fritteurin?

Silencio, cojones!

fastert am 10. Mai 2009 um 16:43

Überall gelten gewisse Verhaltensregeln. Wer im Freibad vom 10m Brett auf die unten schwimmenden Kinder pullert, wird meist getadelt und muss sich ein anderes Bad für Wasserspiele suchen. Wer in der Bank ohne Erlaubnis das Geld anderer abhebt und im geliehenen Auto davonrast, findet sich früher oder später für längere Zeit in einem gemütlich morbiden Räumchen mit Bett, Klo und arg einengenden Stäben vor dem Fenster wieder. So weit so gut. Aber warum gelten solche Regeln nicht auch andernorts? Warum gibt es keine feste Regel dafür, dass hohlköpfige Dumpfbackengören sowohl ihre Handies als auch ihr verloddertes Asi-Vokabular beim Kartenabreisser auszuschalten haben? Was sind das für Leute, die ihren Partnern Szenen lautstark erklären müssen – ist die Bevölkerung denn wirklich so dämlich, dass sie nicht versteht was sie sieht? Und dann Filme mit Überlänge:  dass die Lichtspielhäuser so versuchen, sich mit erhöhtem Absatz an pappig-muffigem Popcorn und fugenkittartigen Käse-Nachos  goldene Nasenhaare zu verdienen ist ja eine Sache, aber dass die Leute dies offensichtlich annehmen und nicht fähig sind, mal 2 oder gar 2 1/2 Stunden auf ihren schlaffen Ärschen sitzen zu bleiben und “dringend mal müssen” ist wirklich schlimm und schreit nach Blitzprügel.

Anderes Beispiel Konzert – zuletzt gewesen letzten Donnerstag. Man freut sich auf einen besinnlichen Abend mit einer zierlichen Norwegerin und ihren melancholischen Tönen. Was bekommt man stattdessen? Grölende und komplett dichtgesoffene Fussball-Maniacs, die man aufgrund von offengelassenen Türen leider nicht ausblenden kann. Man bezahlt ein stolzes Sümmchen für Kino oder Konzerte heutzutage und dennoch gibt es Leute, die während des Konzerts rausrennen um zu gucken, warum die tumbe Masse raunt und wie der Spielstand ist. Beschämend. Und wenn dann endlich mal jemand etwas sagt, wie z.B. “HALT ENDLICH DEINE WURMSTICHIGE LEBERWURSTFRESSE, DU LERNSCHWACHE ALS MANN VERKLEIDETE HOBBY-KLOFRAU!” kehrt natürlich keine Ruhe ein. Es wird noch schlimmer. Als Antwort folgen laut gesagt Sätze wie “Das ist doch ein freies Land, da kann ich trinken und reden so viel ich will!”. Wieder beschämend. Fremdpeinlichkeit deluxe. Und was ist das mit den Lulatschen, die sich immer vor kleine Leute stellen? Ach, ich höre besser auf.

Ich fordere Ruhe und ein angemessenes Maß an Respekt bei solchen Veranstaltungen. Ich gehe ja auch nicht ins Stadion und  brülle während eines Endspiels Rilke-Gedichte durch’s Megaphon. Jedem das seine und den anderen die verdiente Ruhe lassen. Verdammt nochmal.

Damit dieser Artikel ein positives Ende findet: das Layout ist neu. Ich find’s gut.

Guck mal, ich blute!

fastert am 13. April 2009 um 20:54

Opa fehlt ein Arm. Im Krieg verloren. Macht nix, kennt man von klein auf und ist es so gewohnt. Onkel Herbert trägt ein Gebiss, welches er hin- und wieder im Urlaub von einer heranschleichenden Monsterwelle umgeschmissen in den Untiefen der Ostsee verliert. Und dann mit eingeklappter Ober- und Unterlippe greisenhaft das Abendbrot auf den Felgen lutscht. Auch nicht schlimm, eher lustig.

Auf solche, sagen wir mal “Wehwehchen”, kann man sich einstellen. Man kennt sie und sie gehören irgendwie dazu. Der wahre Horror fängt an, wenn wildfremde Leute einem ihre Wunden und Verletzungen ungefragt zeigen. Ich kann mich erinnern, dass ein damaliger Bekannter meiner Eltern mich einmal bat, ihm ein neues Pflaster für irgendeine gruselige Wunde an der linken, unteren Extremität zu besorgen. Als er das alte Ding aber vor meinen Augen abzog und den Blick auf eine Art pyroklastischen Strom am behaarten Bein freigab, lehnte ich dankend ab. Und sowas passiert immer wieder: die Leute müssen immer Beweisstücke vorlegen um evtl. den Verdacht der Übertreibung zu zerschmettern. “Ich muss mir immer selbst Spritzen in den Bauch geben, der ist schon ganz blau!” – warum muss man daraufhin das Hemd lüften und einen Blick auf das gewitterähnliche Panorama freigeben anstatt auf ein einfaches aber ehrliches “Ach Mensch” zu warten? Ich prangere das an. Das muss aufhören. Man spricht davon, gleich mal grillen zu wollen und jemand legt sein Glasauge auf den Tisch? Nein Danke!

Leute, wie seid Ihr drauf? Haltet Ihr Euch zurück und ist es Euch peinlich, dass Ihr beim Kartoffelstampfen den stumpfen Mixstab auf’s Gemächt gezwirbelt habt oder zeigt Ihr voller Stolz suppende Schauplätze am Krisengebiet Körper?

Albinogeländer!

fastert am 13. April 2009 um 20:34

Ich habe heute mal nicht die Schnauze gestrichen voll, sondern einfach mal nur gestrichen. Also quasi gemalt. Mit Pinsel und so. Es war mal an der Zeit. Das Geländer neben dem Bett, welches mich vom metertiefen Freifall bewahrt, kam im öden Holzton nicht richtig frisch daher. Nun ist es dieser Tage ja zum Glück endlich mal schön warm und man schwitzt leicht. Was also tun? Richtig. Einen Ventilator aufstellen. Oder die beiden gegenüberliegenen Fenster öffnen, zwecks Durchzug. Oder: sich komplett ausziehen und nackt malen. Naja, nicht ganz nackt. Wenn man als Mann auf freischwebenden Holzbalken über dem Wohnzimmer rumläuft, sich bückt und dabei nichts anhat, kann das für Mensch und Tier im Untergeschoss durchaus ein guter Grund sein, sich die Augen mit einer rostigen Gabel auszustechen oder spontan schreiend in den Wald zu rennen oder beides. Ich bin ja ein verständnisvoller Typ und so hatte ich vorbeugenderweise lieber eine Unterhose an.

Immer noch kein schöner Anblick, zugegeben. Dafür sieht das Geländer jetzt spitzenstark aus. Zum Abschluss noch ein Tipp: wer eine schwarze Katze hat und lieber eine weiße haben möchte, muss nicht erst zum Rastplatz und dann zum Bauernhof fahren. Es genügt 2 unwachsame Augen und ein frisch gestrichenes Geländer zu haben. Und die Katze natürlich.

Falls es doch jemand begrüßen würde, einmal live unten im Wohnzimmer dabei zu sein, wenn ich oben quasi-ganz-nackt Geländer o.ä. streiche, der kommentiere bitte mit dem Betreff “Ich weiß, ich werde es bereuen, aber….”!

Reintunken!

fastert am 12. März 2009 um 23:08

Wenn man ein Restaurant betritt und seinen eigenen Keks in anderer Leute Kaffee tunkt, ist das dann eine Stippvisite?

Und wenn im Krankenhaus tanzende Ärzte das Krankenzimmer betreten, ist das dann eine Stepvisite?

Schwester? Mehr Pillen, bitte. Danke.

Gute Nacht!

Was Zoll das denn?

fastert am 29. Januar 2009 um 22:28

Ich liebe die Menschen. Wem die Bezeichnung “ironischer Unterton” nicht geläufig ist, der denke in diesem Fall bitte schlicht an eine Lüge. Sicher, es gibt Ausnahmen die ich wirklich liebe. Wer das ist, wird nicht verraten. Sonst kriege ich elektronische Drohpost von unterschlagenen Freunden, die mein öffentliches Zugeständnis an Liebe einfordern. Neinnein. So nicht. Ausserdem soll es hier nicht um die Menschen gehen, wie ich wirklich liebe, sondern um die, die ich liebe.
Jeder von uns bestellt hin und wieder was im Ausland. Erdnussbutter aus Amerika. Mützen aus Irland. Gummipuppen aus Venezuela. So Zeug halt. Und alles könnte so einfach sein: es klingelt an der Tür, ein freundlicher Briefträger steht lächelnd davor und übergibt die heissersehnte Ware. Dann geht er schnell wieder und man macht zu. Wieder Ruhe, Paket ist da – alle sind glücklich.
Die Wirklichkeit sieht anders aus. Hässlich. Man hat einen angekauten Zettel im Briefkasten, der aussieht als Hätte eine Horde Elefanten einen Monat gemütlich darauf gewohnt. Lesen kann man kaum etwas darauf. Nur, dass die Ware sich in einer 50KM entfernten Stadt befindet. Aha. Erstattet mir da jemand die Anfahrtskosten? Ich meine, es ist ja nicht so das ich um den “schönen Ausflug” gebeten hätte. Die Strecke zurückgelegt, zwischendurch zweimal fast einen Mord begangen wegen bescheuerter Rentner auf der Autobahn, kommt auch schon das nächste Unheil: Parkplatzsuche. Und als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, erwartet einen in der gut versteckten Zoll-Behörde ein Vorschriftengeiler, dicker, blasser, schmieriger Paket-Pistolero der es am liebsten hat, wenn Leute vor anderen Leuten ihre Pakete öffnen und ihre zuweilen peinlichen Inhalte preisgeben müssen.
Peinlich war der Inhalt meines Paketes zwar nicht (ausnahmsweise!), aber wer hätte denn vermuten können, dass wenn auf dem Paket “Schuhe” steht auch wirklich Schuhe drin sind und nicht etwa 18 Kilo Koks oder eine handliche Massenvernichtungswaffe? “Gut, könn’se wieder einpacken!” “Das war jetzt alles?”, frage ich noch. “Ja, auf wiedersehen!” ist das letzte was meine fassungslosen Ohren hören. Hochqualifiziertes Fachpersonal!

Noch besser sind nur noch die Leute, die auf Recyclinghöfen “arbeiten”. Und ich meine nicht die freundlichen Herren, die einem sagen, in welchen Container man seinen Garten-Unrat entladen darf. Nein, ich rede von den Pappnasen, die einem eigentlich bei schweren Dingen helfen sollen. Die da so rumlaufen und gucken, wo sie anpacken können. Kennen Sie nicht? Kann gut sein. Ich habe letzte Woche eine kauptte Waschmaschine entsorgen wollen. Ich fahre mit meiner Frau an den entsprechenden Container, öffne die Heckklappe und gehe zielstrebig zu einer Gruppe bestehend aus 3 rauchenden, sich unterhaltenden Männern. Ich frage: “Könnte wohl einer von Ihnen mal eben mit anfassen?” und kriege als Antwort: “Nein!” Gut, der Optimist könnte lobend hervorheben, dass die Aussage zwar nicht zufriedenstellend aber immerhin ohne langes Pipapo zum Kern der Sache gekommen ist. Ich denke, das ist ein Scherz und frage erneut nach. Diesmal bekomme ich als Antwort von einem der 3 Herren: “Wieso denn? Sie sind doch zu zweit!” und von einem weiteren Faulenzer: “Das ist nicht unser Aufgabengebiet. Ausserdem haben wir alle Probleme mit dem Rücken!” Das alle 3 wahrscheinlich erheblich größere Probleme sowohl mit dem Kopf als auch mit dem Benehmen haben, wollte ich eigentlich lauthals in ihre lustlosen Visagen brüllen, konnte mich aber nochmal zusammenreissen. Gerade noch, obwohl der Pegel im Thermometer der Agression bereits das Glas zu sprengen drohte.

Ich habe mir als guten Vorsatz für dieses Jahr vorgenommen, mich nicht mehr so viel aufzuregen. Es fällt schwer. Sehr schwer. Und ich kann für nichts garantieren, wenn ich demnächst ein Paket beim Zoll abholen und dann die Umverpackung im Recyclinghof abgeben will……

Sunday, bloody sunday!

fastert am 4. Januar 2009 um 22:22

Man kennt das: es ist Sonntag, man weiß nicht was man machen soll und bleibt meist einfach im warmen Bettchen liegen. Gelegentliches, störendes Aufstehen wegen drückender Blase oder lautem Miaue aus der Magengegend kann man zwar verkraften, müssten aber eigentlich auch nicht sein. Schnell eine Dose Bunkerware erhitzt (die guten “Baked Beans” von “Heinz”!), reingezogen und bloss schnell wieder hinlegen. Mal den Fernseher anmachen, obwohl man eigentlich genau weiß, dass nur das schlichte Grauen zu erwarten ist. Aha – es wird gekocht. Kochen in allen Disziplinen – Einzel-, Doppel und Gruppenkochen, miteinander, gegeneinander, übereinander, mit Unterstützung, ohne Unterstützung… die Liste ist schier endlos. Wenn die Leute sich über die wichtigen Dinge im Leben so oft Gedanken machen würden und nicht ohne Spachkenntnisse, ohne Dokumente und womöglich noch ohne Klamotten am Leib holter-di-polter auswandern würden wie im Fernsehen gekocht wird, wäre die Welt eine bessere und uns würden die ständigen Aua-Effekte erspart bleiben. Arme Kinder müssen in miefigen Hotelzimmern auf ihre Erziehungsberechtigten warten, die erst Recht im Ausland nicht schaffen, was sie nicht mal in der Heimat hingekriegt haben: Arbeit beschaffen. Und sich dann über die Bürokratie aufregen, die ja “noch schlimmer ist als in Deutschland” – schnell umschalten, im neuen Jahr soll die Halsschlagader nicht so oft hervortreten wie im vergangenen. Beinahe schon zu spät. Es wird gerätselt. Hier sitzt ein Zivi neben seinem Bewährungshelfer und weiß gar nichts, dort wird das Publikum für 4,50 Euro zu Rate gezogen, wieder andernorts begreift man nicht mal als Zuschauer, worum es hier eigentlich geht. Will man auch gar nicht, ich jedenfalls nicht. Schnell umschalten. Umbauarbeiten im Schimmelhaus einer Schicksalsschlag penetrierten Moppelkinderfamilie. Die Rechtfertigung für dieses digitale Verbrechen weißt mindestens genauso viele Lücken auf, wie die Kauleiste des schlodderhaarigen Familienvaters.

Schnell ausmachen. Hach ja. Mal durch’s Haus gehen und gucken. Ein paar Pflanzen haben Blätter verloren, die aufgesammelt werden müssten. Aber gerade dazu fehlt einem der Elan. Schön dran vorbei schleichen, hat ja sonst keiner gesehen. Kühlschrank aufmachen, Bier nehmen, Kühlschrank zumachen. Ist das ein Leben? Naja, wenigstens wird man dabei nicht ständig gefilmt und muss sich vom Rest der geistig halbwegs gesunden Bevölkerung vor dem Bildschirm auslachen lassen. Was kriegen diese Leute wohl von den Sendern? Die können doch nicht das ganze Elend mit ansehen, die Tapes einpacken und sagen: “Super, Leute. Euer Scheiss-Leben verkauft sich sicher prima – vielen Dank, dass wir Eure ganzen Fehlentscheidungen und die dazugehörigen Hohlkopf-Kommentare filmen durften!” Glaube ich nicht. Wie hoch mag die Gage wohl sein, die ein piefiger Wannabe-Geschäftsmann mitsamt Familie bekommt, wenn er sich bei der glorreichen Idee, in Andalusien “deutsche Qualitäts-Knackwürste” an den Mann zu bringen, filmen lässt? Das würde mich echt mal interessieren. Jeder hilfreiche Kommentar hierzu wird mit Dank und Hochachtung geadelt.

Ich werde jetzt mal hochmütig sein und sagen: 2009 wird toll! Mal sehen, wie es kommt. Vielleicht habe ich ja Recht. Ich wünsche Euch allen jedenfalls, dass es ein duftes Jahr wird.

Mein Schatz mit der schröddeligen Kirsche

fastert am 5. Dezember 2008 um 19:06

Wieviele Meter Zahnpasta in den Tuben ist, kann man sehr leicht herausfinden, zur nervlichen Verzweiflung der Eltern. Wieviele Geleebananen man essen muss, bevor einem die Affenpampe wieder hoch kommt, lässt sich schnell erschliessen. Und wer schon mal wissen wollte, wie so eine Klopapierrolle abgerollt aussieht, der fahre zum nächsten Bauernhof und besorge sich eine Katze. Aber was mir wahrscheinlich immer ein Mysterium bleiben wird, ist, von wievielen Mon Cherie man besoffen wird. Normalweise ist das keine Frage, die mich lange beschäftigt und ich wäre von alleine wahrscheinlich nicht darauf gekommen darüber nachzudenken. Mein voller Dank zu diesem Thema geht an eine mit vielen deutschen Tugenden ausgestatten Verkäuferin eines Supermarktes. Vor mir steht ein 16-17-jähriger Lausebub, der wenigstens einmal im Jahr etwas gutes tun und seiner Mutter, kreativ wie er nun mal ist, einen Ferrero-Mischkasten zum Nikolaus kaufen will. Den Standardsatz der Mutter “Ach Danke, Du bist aber lieb. Das wäre doch nicht nötig gewesen!” wird er allerdings dieses Jahr, zumindest was den Mischkasten angeht, nicht zu hören bekommen. “Warum denn nicht?” tönt es nun von überall her. Deswegen:

Verkäuferin: “Die verkaufe ich Dir nicht, die sind ab 18!

Bengel: “Hä? Wie jetzt?

Verkäuferin: “Na, da ist Alkohol drin, die Box ist erst ab 18 und darf nicht an Kinder verkauft werden!

Bengel: “Aber der ist für meine Mutter zum Nikolaus!

Verkäuferin: “Das kann ja jeder sagen!” (nimmt die Packung und lässt sie unter dem Rollband verschwinden)

Bengel: (zieht mit fragenden Augen von dannen)

Verkäuferin: (guckt zufrieden und säuselt ein “Gut’n Taaaag” in meine Richtung)

Ich gucke aber mindestens genauso irritiert wie der Bengel und in just diesem Moment keimt die quälende Frage nach der Anzahl der zu verspeisenden Süssware bis zum Ergebnis eines angetrunkenen Zustandes auf. Wenn man nachts in einer Mon Cherie-Produktionshalle einbricht, sich mit offenem Mund unter das Laufband legt und isst und isst und isst – vielleicht. Wenn man 3 Monate ungestört und ohne sich übergeben zu müssen liegen bleibt und isst – vielleicht. Wenn man die Schokolade und die schröddlige Kirsche verschmäht und nur den Tränengroßen Schluck aus dem Schokomantel saugt über einen Zeitraum von ca. 2 Jahren – vielleicht. Aber glaubt denn die Verkäuferin allen Ernstes, dass draussen 3 andere Bengel warten, die dann sagen werden “Alter, Du bist ja der Larry. Voll fett, jetzt löten wir uns die Birne mal so richtig mit derbem Schnapps zu!” Wohl kaum. Oder das er schnell nach Hause eilt, um seinem schwer alkoholsüchtigen Vater die Extra-Dröhnung Mon Cherie zu bringen, woraufhin dieser für die nächsten 2 Tage erstmal bedient und glücklich im Ohrenbackensessel versinkt und der Sohn dann schwer beeinflusst den Vater zum Vorbild nimmt und die andere Hälfte der Packung isst? Noch weniger. Ich weiss es nicht, was da im Kopf vor sich ging. Mich würden folgende Dinge interessieren:

a) Ist es wirklich gesetzlich verboten, Minderjährigen Ferrero-Kästen zu verkaufen und wenn ja: wie begründet man das?

b) Würde sich die Kassiererin bereit erklären, sich ein halbes Jahr nur von Mon Cherie zu ernähren, Tagebuch zu führern und akribisch genau zu dokumentieren, wie sehr der darin enthaltene Alkohol ihr Leben beeinflusst hat?

c) Wieso kaufen alle immer diesen Kram? Mutter soll nicht so viel süsses essen

Wie dem auch sei. Ich vemute, dass ich nie Antworten auf all diese Fragen finden werde und das stimmt mich traurig. Ich will aber nicht traurig sein und deswegen übergebe ich diese Diskussion den Kommentaren und freue mich auf hoffentlich erlösende Beiträge.

Zur Feier des Tages öffne ich ein paar von Ostern übriggebliebene Eierlikör-Eier und knalle mich heute mal so richtig zu.

Prost,

B.

Ein Schiff wird kommen!

fastert am 1. Dezember 2008 um 14:07

Haben Sie schon mal das schützende, wärmende Haus verlassen um mit vielen anderen Leuten in der klirrenden Kälte stehend, gnibbelige Bratwurst essend und stilles Bier trinkend eine Wahnsinnsmenge an Metall zu bestaunen? Es ist schon ein Schauspiel, wohl aber eines bei dem Kritiker wie ich es in diesem Falle einer bin, eher einen mahnenden Blick aufsetzen und meinen digitalen Füller mit der Tinte der Verachtung füllen. Man kann dieses “Happening” immer dann bestaunen, wenn die “Queen Mary II” mal wieder im Hamburger Hafen einläuft. Wobei “einlaufen” hier ja fatal wäre – sollte der Kahn jemals wirklich einlaufen, ist’s aus mit dem Zauber. Aus der Ferne schiebt sich das schwimmende Machwerk langsam ins millionenfach von jeder anwesenden Person geknippste Panorama. Je näher es kommt, desto mehr Fotos werden geschossen. So hat am Ende jeder einen eigenen Schuhkarton voll mit Bildern, die jeder zweite Nachbar auch hat. Ob sich hieraus wohl irgendwann so eine Sammelbildchen-Idee entwickelt? “Ich habe Nr. 39 noch nicht, wo das Schiff leicht schräger steht als auf Bild Nr. 38!” “Das habe ich, aber ich tausche nur gegen die Nr. 159, mit dem Foto des Kombüsenreinigers!” Das komplette Heftchen können sich diese Leute dann stolz neben das “Knut”-Sammelalbum in den Apotheker stellen und zu besonderen Anlässen, wie Kaffekränzchen oder beim Angeberabend mit den Nachbarn, rausholen.

Es ist aber nicht der einzige Fall, bei dem sich Massen zusammentun um etwas von nie dagewesener Größe zu feiern. Ein paar Beispiele: Autogrammstunde von Dolly Buster auf dem Kiez. Gerammelt voll, die Bude. Haha, Wortwitz. Oder wenn jemand auf die schlimme Idee kommt, ein Restaurant zu eröffnen, in dem es nur tragflächengroße Schnitzel und eine Badewanne voll Pommes dazu gibt. Da muss man natürlich hin. Und Fotos zusammen mit dem Essen machen. Und am schlimmsten: Demonstrationen! Die übertreffen sogar noch diese Boot-Anglotzerei. Klar – die große Sache, die heute irgendwie spontan total wichtig ist, für die die Leute auf die Strasse gehen mag ja wirklich spontan total wichtig sein. Aber haben die Leute sonst nichts zu tun? Muss da keiner arbeiten oder studieren? Wieso haben die immer frei? Wird das vom Arbeitgeber gefördert? Da hat man mal Urlaub, will entspannt durch die Innenstadt gehen und sich ein flottes Oberteil gönnen. Und schon geht’s los: Parolen fliegen einem um die Ohren, man kommt nirgendwo durch und grausige Bilder muss man sich auch noch angucken. Ich habe absolut nichts dagegen, seine Meinung laut und deutlich zu sagen. Aber doch bitteschön nicht, wenn ich einkaufen will. Lustigerweise passiert es grundsätzlich immer genau dann, wenn ich einkaufen will. Als ob sich die Semesterschwänzer vorher absprechen würden. Decke ich da eventuell gerade eine Verschwörung auf?

Etliche Würste und Biere später steht der Pott majestätisch vor den jubelnden Amateurfotografen. Klatsch, klatsch, klatsch. Idioten. Ich hatte mal eine Konversation mit einem “Fan” von Feuerwerken. Ich beschwerte mich über die gigantische Geldverschwendung hinter jedem Feuerwerk, aber wenn es ein Schiff zu bestaunen und zu feiern gilt, versteht das sonst so grosse, deutsche Spenderherz keinen Spass. “Man macht das ganze Jahr so viel und spendet hier und da – da kann man ruhig bei einem solchen Anlass fröhlich zum Himmel gucken, sich über den Anblick freuen und mal nicht ans Geld denken!

Ich halte davon nichts. Es ist und bleibt ein Schiff. Man muss immer noch über die Reling kotzen, wenn’s schaukelt. Man schippert immer noch mit merkwürdigen Leutchen im schlimmsten Fall wochenlang durch die Weltmeere, sitzt womöglich noch mit denen an einem Tisch.

Wenn Sie mich suchen sollten – ich stehe nicht am Hafen und gucke Schiffe an.

B.

Das macht Spaß, das macht Laune!

fastert am 26. November 2008 um 18:56

Ich finde essen macht Spaß und wenn man dem Essen ansieht, dass es auch Spaß hat, macht essen noch mehr Spaß. Ein Satz, in dem insgesamt drei Mal das Wort “Essen” und “Spaß” vorkam. Beachtlich. Das offensichtlichste Beispiel für Essen das Spaß hat und macht ist die gute, alte Gesichtswurst. Freundlich grinsend wartet sie in jeder Supermarkt-Wurstauslage dieses Landes auf gierige Kinderhände. “Haha, guck’ mal wie das Brot jetzt guckt! Wie lustig es lacht!” Wer hat wohl die Gesichtswurst erfunden? Haben da Kreative mit der Fleischerei-Innung zusammengesessen und folgendes Gespräch gehabt?

Innung: “Also, der Absatz auf dem Wurstsektor hat stark nachgelassen. Für kommendes Jahr müssen wir uns hier verstärkt etwas einfallen lassen!

Kreativer 1: “Wie wäre es, wenn wir frontseitig Pokemon-Motive auf die Wurstscheiben drucken würden? Ich kenne da eine Druckerei in Osteuropa, die machen sowas. Die bedrucken alles mögliche essbare mit sogenannter “Fleischfarbe”. Meinem Schwager habe ich da letztes Jahr….

Innung (unterbricht): “Dicht dran, aber dann müsste man ständig neue Motive drucken lassen. Einfach soll es sein, aber genial. Wir haben einen Ruf zu verlieren!

Kreativer 2: “Ich hab’s: wir bedrucken die Scheiben mit einer floureszierenden Sonderfarbe. Dann können die Scheiben sich im Licht Kühlschrankes aufladen und wenn Nachts der kleine Hunger kommt sieht man überall in den Fenstern scheinbar fliegende Wurstscheiben. Das fänd’ ich witzig!

Innung und Kreativer 1: “Wenn der Kühlschrank zu ist, ist das Licht aus!

Kreativer 2: “Oh!

Kreativer 1: “Freude braucht das Land. Kinder sind die Zukunft. Wenn wir diese beiden Dinge miteinander kombinieren, was haben wir dann? Freundliche Kinderwurst! Wir zaubern eine kecke Grinsevisage auf’s Brät und der Absatz schnellt nach oben!

Kreativer 2 und Innung: “Genial!

So ungefähr könnte es gewesen sein. Wie dem auch sei: freundliches Essen wird immer gern genommen. Heute morgen zuletzt wurde ich von eben diesem beglückt. Ich eilte zum Bäcker und kaufte 2 Mettbrötchen. Als ich diese Zuhause gierig auspackte, musste ich bei der ersten Hälfte, die aus der Packung rutschte noch nicht lachen. Bei der Zweiten aber schon. Grund: sie freute sich! Ich hatte das Gefühl, das Brötchen wollte sagen: “Schön, dass ich da bin. Ich freue mich sehr, Dich zu sehen und kann es kaum abwarten von Dir gegessen zu werden! Ich möchte vor Glück ein Lied singen und tanzen!” Als erhärtende Maßnahme für dieses Szenario kann ich 2 Beweise liefern: meine derzeitige Praktikantin, welche sich zur Zeit des Tathergangs vor Ort befand, konnte alles mit ansehen und würde unter Eid vor jedem Gericht der Welt aussagen. Beweisstück Nummer 2 ist ein Foto des leicht südländisch klingenden, von mir so getauften “Lachmett”, welches ich untenstehend der wartenden Masse nicht vorenthalten möchte. Völlig größenwahnsinnig verlange ich ab sofort, dass alle von mir gekauften Lebensmittel vor Freude tanzen wollen und es auch tun.

In einer perfekten Welt wäre dies möglich. Bis das soweit ist, müssen wir uns mit Bildern und herzerwärmenden Zufällen wie diesem begnügen:

Übrigens: falls eine der hier hin und wieder anwesenden Personen lustiges Essen beizusteuern hat, fühle er sich jederzeit herzlichst eingeladen dies in den Kommentaren zu tun.

B.

P.S.: Bei nochmaliger, genauerer Betrachtung guckt das Brötchen eher entsetzt. Das ist aber auch okay, solange es nur irgendeine Art von Emotionen zeigt.